„ISG-Blockade“ beschreibt häufig Schmerzen und ein Gefühl von Steifheit am Übergang zwischen Becken und unterem Rücken. Ob das Iliosakralgelenk tatsächlich die Schmerzquelle ist, lässt sich aus dem Gefühl allein nicht feststellen.
Sofort medizinisch abklären: neue Lähmungen, Taubheit im Schritt oder Störungen der Blasen- beziehungsweise Darmkontrolle. Bei Fieber, Unfallfolgen oder rasch zunehmenden Schmerzen ebenfalls zeitnah ärztliche Hilfe suchen.
Es zieht im unteren Rücken, das Aufstehen fällt schwer und das Becken fühlt sich „blockiert“ an: Mit solchen Beschwerden kommen Menschen auch in unsere Praxis in München-Schwabing. Dieser Artikel erklärt, was mit einer ISG-Blockade gemeint ist, warum eine sorgfältige Untersuchung wichtig ist und wie Bewegung und manuelle Behandlung eingeordnet werden können.
Aus der Praxis von Joël Cécilia-Menzel, M.Sc. Osteopathische Therapie, B.Sc. Sportwissenschaften und Heilpraktiker. Qualifikationen und Team · Inhalt aktualisiert am 21. September 2026.
Die beiden Iliosakralgelenke verbinden das Kreuzbein (Sacrum) mit den Darmbeinen (Ilium). Sie übertragen Last zwischen Wirbelsäule und Becken und sind durch kräftige Bänder stabilisiert.
Der Ausdruck „ISG-Blockade“ wird häufig für Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit in dieser Region verwendet. Er bedeutet nicht automatisch, dass ein Knochen verrutscht ist oder „eingerenkt“ werden muss. Schmerzen im unteren Rücken können verschiedene Ursachen haben; die genaue Schmerzquelle lässt sich nicht allein ertasten oder aus einer Körperhaltung ablesen.
Mehr zum übergeordneten Thema: Osteopathie bei Rückenschmerzen.
Beschwerden in der ISG-Region können nach einem Sturz oder einer ungewohnten Belastung beginnen. Auch während und nach einer Schwangerschaft können Schmerzen im Beckengürtel auftreten. Eine sichtbare Asymmetrie oder ein vermeintlicher Beckenschiefstand erklärt Schmerzen jedoch nicht automatisch.
Zur Abklärung gehört auch die Frage nach anderen Ursachen, etwa Beschwerden der Hüfte oder Lendenwirbelsäule sowie entzündlichen Erkrankungen. Fieber, relevante Unfallfolgen oder anhaltende nächtliche Schmerzen sollten ärztlich eingeordnet werden.
Fachliche Übersicht: American Family Physician: Diagnostik und Behandlung von ISG-Beschwerden.
Typisch beschrieben werden Schmerzen tief im Rücken oder im Gesäß und ein Gefühl von Steifheit. Sitzen, Aufstehen, Treppensteigen oder das Drehen im Bett können unangenehm sein. Solche Beschwerden sind jedoch nicht eindeutig dem ISG zuzuordnen.
Wenn Schmerzen ins Bein ausstrahlen, muss auch an eine Nervenreizung gedacht werden. Kribbeln, Taubheit oder Kraftverlust sollten ärztlich untersucht werden. Neue Lähmungen, Taubheit im Schritt oder Probleme mit der Blasen- und Darmkontrolle erfordern sofortige medizinische Abklärung.
In unserer Praxis beginnt der Termin mit einem Gespräch über Ihre Beschwerden, Belastungen und vorhandenen Befunde. Wir untersuchen Beweglichkeit und Funktion und besprechen, ob zunächst eine ärztliche Abklärung erforderlich ist. Eine manuelle Untersuchung allein kann nicht sämtliche ernsthaften Ursachen ausschließen.
Wenn eine Behandlung geeignet ist, stimmen wir die Techniken und gegebenenfalls Übungen mit Ihnen ab. Ziel ist, Bewegung und Alltag wieder besser zu bewältigen. Ein hörbares „Knacken“ oder ein vermeintliches „Einrenken“ ist kein notwendiges Erfolgskriterium.
Wie ist die Evidenz einzuordnen? Die NICE-Leitlinie zu Kreuzschmerzen empfiehlt, manuelle Therapie nur innerhalb eines Behandlungskonzepts mit Bewegung zu erwägen. Diese Empfehlung ist kein spezieller Wirksamkeitsnachweis für jede osteopathische Technik oder jede sogenannte ISG-Blockade. NICE NG59, Empfehlung 1.2.7.
Wir überprüfen den Verlauf gemeinsam. Wenn keine Besserung eintritt oder neue Beschwerden hinzukommen, muss der Behandlungsplan angepasst werden.
Bei anhaltenden oder wiederkehrenden unspezifischen Kreuzschmerzen ist regelmäßige, individuell passende Bewegung gut untersucht. Daraus folgt aber nicht, dass eine bestimmte Übung eine ISG-Blockade zuverlässig „löst“. IQWiG: Bewegung bei Rückenschmerzen.
Die folgenden Abbildungen zeigen Bewegungsbeispiele. Lassen Sie bei neuen, starken oder unklaren Beschwerden zuerst die Ursache abklären und besprechen Sie, welche Übungen für Sie geeignet sind. Beginnen Sie mit kleinen, gut verträglichen Bewegungen. Nicht in einen stechenden oder ausstrahlenden Schmerz hinein üben; bei Taubheit, Kribbeln oder Kraftverlust abbrechen und medizinischen Rat einholen.
Einbeinstand, Druck auf die Beckenregion oder eine einzelne Dehnposition können keine ISG-Blockade sicher feststellen. Für eine fachliche Einschätzung werden die Vorgeschichte, mehrere Untersuchungsbefunde und mögliche andere Ursachen gemeinsam betrachtet. Die folgenden Beispiele erklären die Grenzen häufig genannter Tests; sie sind keine Anleitung zur Selbstdiagnose.
Einbeinstand
Beschwerden beim Stehen auf einem Bein sind kein eindeutiger Hinweis auf das ISG. Dabei werden auch Hüfte, Muskulatur und andere Strukturen belastet. Für das Untersuchungsgespräch ist hilfreicher, in welchen Alltagssituationen Ihre Beschwerden auftreten, als Schmerzen gezielt zu provozieren.
Druck auf die Beckenregion
Eine druckempfindliche Stelle zeigt nicht zuverlässig, welches Gewebe die Beschwerden verursacht. Drücken Sie nicht wiederholt kräftig auf schmerzhafte Bereiche, um eine vermeintliche Blockade zu bestätigen. Zeigen Sie bei der Untersuchung lieber, wo Sie den Schmerz im Alltag wahrnehmen.
FABER-Test
Bei dieser Untersuchungsposition werden Hüfte und Becken belastet. Schmerzen dabei beweisen für sich genommen keine ISG-Blockade. Durchführung und Interpretation gehören in eine fachliche Untersuchung. Drücken Sie das Knie nicht mit Kraft nach unten und lassen Sie sich dabei nicht von einer anderen Person nachhelfen.
Bewegungsbeispiel 1: Becken im Stand kontrolliert bewegen
Nutzen Sie eine stabile Stütze zum Festhalten. Verlagern Sie das Gewicht auf ein Bein und entlasten Sie das andere. Lassen Sie die entlastete Beckenseite nur leicht sinken und führen Sie sie langsam zurück. Der Oberkörper bleibt möglichst ruhig; vermeiden Sie Schwung und ein starkes Hohlkreuz.
Üben Sie nur im gut verträglichen Bewegungsumfang. Wenige saubere Wiederholungen reichen zum Einstieg; Umfang und Steigerung sollten zu Ihrem Befund passen. Bei Unsicherheit oder Gleichgewichtsproblemen wählen Sie gemeinsam mit einer Fachperson eine andere Übung.
Bewegungsbeispiel 2: Beckenkontrolle im Vierfüßlerstand
Die abgebildete Variante mit einem frei beweglichen Knie auf einer Bank verlangt ausreichend Stabilität. Lassen Sie sich diese Ausführung zunächst persönlich zeigen und sichern Sie die Unterlage gegen Verrutschen. Eine weiche oder schmale Sitzfläche ist ungeeignet.
Bewegen Sie die entlastete Beckenseite langsam und nur in einem kleinen, gut verträglichen Umfang abwärts und zurück. Vermeiden Sie ein weites Absinken oder Verdrehen. Wenn Sie sich nicht sicher abstützen können oder die Position Schmerzen auslöst, lassen Sie diese Variante aus und wählen Sie eine angepasste Alternative mit Ihrer behandelnden Fachperson.
Bewegungsbeispiel 3: Kleine Beckenbewegungen in Rückenlage
Legen Sie sich auf eine feste, bequeme Unterlage und stellen Sie die Füße mit gebeugten Knien gegen eine Wand. Eine Rolle oder ein weiches Kissen kann locker zwischen den Oberschenkeln liegen. Heben Sie das Becken nur so weit an, wie es angenehm möglich ist.
Führen Sie kleine, langsame Wechselbewegungen aus, ohne die Knie oder den Rücken mit Kraft zu verdrehen. Atmen Sie ruhig weiter. Lassen Sie das Anheben weg, wenn es Beschwerden verstärkt. Die Bewegung soll kontrollierbar bleiben; bei ausstrahlenden Schmerzen oder Missempfindungen abbrechen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine persönliche Diagnose. Die abgebildeten Bewegungen sind Beispiele aus der Praxis; die folgenden Quellen belegen nicht die Wirksamkeit jeder einzelnen gezeigten Übung bei ISG-Beschwerden.
Redaktionell aktualisiert am 21. September 2026.
Sie möchten Ihre Beschwerden und mögliche nächste Schritte besprechen? Sie finden OsteoMuc in der Hildeboldstraße 1, 80797 München. Ein regulärer Termin dauert etwa 50–60 Minuten und kostet 135–155 € je nach Versicherungsstatus. Wir besprechen mit Ihnen, ob eine osteopathische Behandlung passend ist.
Termin in München-Schwabing online buchen · 089 380 770 69
Lernen Sie unser Team kennen oder informieren Sie sich über Sportosteopathie und Trainingsplanung. Weitere Informationen finden Sie in unserer Übungsübersicht nach Körperregion. Bei den oben genannten Warnzeichen hat die dringende medizinische Abklärung Vorrang.